Programm 2017

Freitag, 10. November

17:00 Begrüßung

18:00 Kritik des Familismus. Geschichte, Theorie und Realität eines ideologischen Gemäldes – Gisela Notz

20:00 Zur Frage der Anwendbarkeit der Philosophie Immanuel Kants auf eine zeitgemäße anarchistische Ethik- Alexandra Busch

 

Samstag, 11. November

09:00 Frühstück

10:00 Der Syndikalistische Frauenbund – Anarchafeministinnen in den 1920ern – Vera Bianchi

12:00 Kritische Archäologie der Gegenwart und Zeitgeschichte – Am Beispiel der Erforschung der Freien Republik Wendland – Attila Dézsi

14:30 Workshops & Gesprächskreise

  • Feminismus und Anarchismus – Im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis (Workshop) – Claudia und Marco (FAU)
  • (Anti-)Politik als Politikverständnis in den Anarchismen? Auf der Suche nach Beschreibungsmöglichkeiten für eine paradoxe Vielfalt“ (Workshop) – Jonathan Eibisch
  • Gustav Landauer. Eine Einführung in Anti-Politik und politische Philosophie anhand ausgewählter Texte (Workshop) – Gustav Landauer Denkmalinitiative (Berlin)
  • Wissenschaftliche Mainstreams überwinden (Gesprächskreis) – Nina Krienke

17:00 ,Erkenntnis für freie Menschen‘ – Wissenschaftskritik aus anarchistischer Perspektive am Beispiel des libertären Wissenschaftstheoretikers Paul Feyerabend – Siegbert Wolf

19:00 Marxismus und Anarchismus in der Gegenwart René Gabriels

21:30 – Konzert

 

Sonntag, 12. November

09:00 Frühstück

10:00 Autorität und Ungehorsam – Aspekte anarchistischer Erziehungskritik – Heiko Larsen

12:00 Anarchistische Perspektiven auf heutige Feminismen – Antje Schrupp

14:00 Abschlusspodium „Perspektive Anarchismus“ – mit Hanna Mittelstädt, Robert Jarowoy, Sonja (FAU Hamburg) und Roger Behrens

 


Kurzbeschreibungen

 

Vorträge

 

Gisela Notz: Kritik des Familismus. Geschichte, Theorie und Realität eines ideologischen Gemäldes

Die Ideologie des Familismus, die die gesellschaftliche Organisationsnorm aus dem Konzept einer „Idealfamilie“ ableitet, prägt seit Jahrhunderten Politik und Sozialstruktur in Deutschland und in anderen westlichen Ländern wesentlich mit. Familismus hat einen Ausgangspunkt, der schon immer nur für einen Bruchteil der Bevölkerung praktische Relevanz hatte: die Familie. Sie gibt es heute ebenso wenig, wie es sie je gegeben hat. Und schon gar nicht war sie zu allen Zeiten die bürgerliche Kleinfamilie, wie wir sie heute kennen. Familismus ist eine Spielart des Antifeminismus, denn nach der familistischen Ideologie herrschen in der heterosexuellen Kleinfamilie, die immer aus Vater, Mutter und Kind(ern) besteht, komplementäre Rollenaufteilungen entlang der Geschlechterlinien. Die Ideologie der „Familie als Keimzelle der Gesellschaft“ ist immer auf den Nationalstaat bezogen. Sie führt unweigerlich zur Diskriminierung von Individuen und Gruppen, die diesem Bild nicht entsprechen. Angesichts der „neuen“ rechtspopulistischen AkteurInnen hat sie Hochkonjunktur. Was ist dagegen zu tun? Darüber sollten wir diskutieren.

Dr. Gisela Notz, freie Autorin, Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, Berlin.

Gisela Notz war von 2004 bis 2010 Bundesvorsitzende von pro familia. Zum Thema hat sie das Buch: Kritik des Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes geschrieben, das 2015 in der Reihe thorie org des Schmetterlings-Verlages in Stuttgart erschien. Seit 15 Jahren bringt sie den historischen Wandkalender „Wegbereiterinnen“ heraus. Der Kalender 2018 ist soeben erschienen: Kalender 2018 Wegbereiterinnen XVI, AG SPAK Verlag, Neu-Ulm.

 

Alexandra Busch: Zur Frage der Anwendbarkeit der Philosophie Immanuel Kants auf eine zeitgemäße anarchistische Ethik

Kant und Anarchismus? Klingt das nicht förmlich nach der Quadratur des Kreises? Ich möchte in meinem Dissertationsprojekt zeigen, dass es sich lohnt, hier genauer hinzusehen und darlegen, dass Kant für den Anarchismus fruchtbar gemacht werden kann. Zudem sollen Aspekte der Human Animal-Studies und queer-theoretische Betrachtungen miteinbezogen werden, weil diese mit ihrem herrschaftskritischen Potenzial diverse Anknüpfungspunkte für aktuelle anarchistische Theorien offerieren. Ziel ist es, eine zeitgemäße anarchistische Ethik in ihren Grundzügen zu entwerfen, die eine Option bietet, sich dem Ideal einer herrschafts- und gewaltfreien Gesellschaft nähern zu können. Gleichzeitig ist es mir mit meiner Arbeit ein Anliegen, anarchistische Thematiken in den wissenschaftlich-akademischen Diskurs zu bringen.

Alexandra Busch, Promotionsstudium an der Universität Bern

 

Vera Bianchi: Der Syndikalistische Frauenbund – Anarchafeministinnen in den 1920ern

Mit der Gründung der Freien Arbeiterunion Deutschlands FAUD 1919 stellte sich die Frage, wie sich anarchosyndikalistische Frauen, die nicht im Betrieb tätig waren, organisieren sollten. Anders als spätere anarchosyndikalistische Frauengruppen legte der Syndikalistische Frauenbund seinen Schwerpunkt auf die Hausfrauen, hatte aber auch Arbeiterinnen aus Betrieben und Heimarbeit als Mitglieder.

Gegen sexistische und patriarchale Widerstände aus der FAUD organisierten die Frauen viel im Bereich der Gegenseitigen Hilfe (Kropotkin), unterstützten sich gegenseitig im Wochenbett, bei Krankheit in der Kinderbetreuung und finanziell bei Arbeitslosigkeit oder Gefängnisaufenthalt. Sie gaben fast zehn Jahre lang eine Monatszeitschrift heraus, schrieben Broschüren und hielten Vorträge zum Beispiel über Verhütung, die sehr gut angenommen wurden. Diese heute kaum bekannten Anarchafeministinnen möchte ich Euch vorstellen.

Vera Bianchi, schreibt an einer Doktorarbeit über den Syndikalistischen Frauenbund und die Mujeres Libres (Freie Frauen), Hamburg.

 

Attila Dézsi: Kritische Archäologie der Gegenwart und Zeitgeschichte – Am Beispiel der Erforschung der Freien Republik Wendland

Die Wissenschaft der Archäologie hat mit ihren Methoden und Theorien die Möglichkeit, Leerstellen der Geschichtsschreibung aufzufüllen – insbesondere, wenn sie dabei auf unterdrückte Gruppen und verdrängte Ereignisse hinweist. Sie kann damit zur Aufarbeitung von Unrecht und Widersprüchen beitragen.

Besonders in der Archäologie der Moderne, welche sich mit den Überresten des 20./21. Jahrhunderts beschäftigt, steckt ein großes gesellschaftliches Potential, wie es Forschungen zum Spanischen Bürgerkrieg, durch den Kapitalismus verlassene Städte und Wohnungen oder an Protestorten zeigen konnten. Durch die zeitliche Nähe kann auf bestehende Konflikte hingewiesen und zur Überwindung beigetragen werden. Durch die bewusste Integration von ZeitzeugInnen kann die hierarchische Grenze zwischen forschenden und beforschten Menschen aufgehoben werden. Hierbei kann die Rolle der Archäologie in der heutigen Gesellschaft reflektiert und als Intervention in den linearen Zeitverlauf gesehen werden.

Wie so etwas möglich ist, möchte ich Euch anhand meines aktuellen Promotionsvorhabens vorstellen. Dabei untersuche ich die materiellen Überreste und Erinnerungen zur Freien Republik Wendland, indem ich ZeitzeugInnen in den Forschungsprozess integriere und somit nicht über, sondern mit Menschen forschen möchte. Die Freie Republik war nicht nur ein umkämpfter Ort, weil sie 1980 versuchte eine geplante Atomanlage zu verhindern, sondern auch ein Ort der Utopie und gesellschaftlichen Alternative. Kann die Archäologie jedoch solche immateriellen Ideen erfassen und kann die Gegenwartsarchäologie überhaupt etwas zur gegenwärtigen Diskussion um Gorleben beitragen?

Attila Dézsi: Universität Hamburg, Graduiertenschule Geisteswissenschaften, Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

 

Siegbert Wolf: ,Erkenntnis für freie Menschen‘ – Wissenschaftskritik aus anarchistischer Perspektive am Beispiel des libertären Wissenschaftstheoretikers Paul Feyerabend

Der libertäre Wissenschaftstheoretiker und -kritiker Paul K. Feyerabend (1924-1994) entwickelte mit seinem Slogan „anything goes“ eine relativistische Wissenschaftstheorie, womit er aufzeigte, dass es keine allgemeingültige Methode gibt, an der sich Wissenschaften orientieren. Daher könne Wissenschaft nur unter den Bedingungen des Methodenpluralismus überhaupt produktiv sein. Zudem sei aus dem Fehlen einer allgemein gültigen Methode zu folgern, dass unsere wissenschaftliche Beschreibung der Welt mitnichten anderen Erkenntnisformen bzw. Traditionen überlegen sei. Wissen ist immer Wissen unter gesellschaftlichen Bedingungen. Daraus schloss er, dass aufgrund der Pluralität unterschiedlicher Wissenstraditionen eine völlig neue Organisierung des Wissenschaftabetriebes erfolgen müsse. Paul Feyerabends (basis-)demokratischer Relativismus will eine Gesellschaftlichkeit, in der die Menschen endlich die Entscheidungen über ihre Angelegenheiten in freier Vereinbarung, also selbsttätig treffen, abseits jeglicher technokratischer Allmachtsvisionen und unter der Voraussetzung einer strikten Trennung von Staat und Wissenschaft. Eine freie Gesellschaft könne nur eine Gesellschaft sein, die auf erkenntnistheoretischem und kulturellem Pluralismus sowie auf einer radikalen Demokratisierung aller Institutionen basiere.

Dr. Siegbert Wolf, Historiker und Publizist, Herausgeber der „Ausgewählten Schriften“ Gustav Landauers, Frankfurt am Main.

 

René Gabriels: Marxismus und Anarchismus in der Gegenwart

Was wir in der heutigen Zeit aus Marxismus und Anarchismus lernen können und wieso wir beide Strömungen nutzen müssen um den global stetigen Zuwachs an rechten und populistischen Gedankengütern progressiv entgegenzuwirken.

 

Heiko Larsen: Autorität und Ungehorsam – Aspekte anarchistischer Erziehungskritik

Möchte der Anarchismus einst als gesellschaftlich relevante Strömung agieren, ist es unerlässlich, das Erbe Erziehung und ihre institutionalisierte Form „Schule“ zu durchdringen und in ihrer unterdrückenden Funktion zu überwinden. Das Verhältnis von Anarchismus und Pädagogik erscheint dabei zunächst unklar und nur schwierig zu bestimmen. Zwei vermeintlich widerstrebende Ansprüche: die Schaffung herrschaftsloser Ordnung einerseits, die absichtsvolle (natürlich meist wohlwollende) Beeinflussung junger Menschen andererseits. – Wie soll das vereinbart werden können?

Für eine passende Antwort werden die Ansätze einiger klassischer Anarchisten untersucht, die sich als (Anti-)Pädagogen in Theorie und Praxis gezeigt haben. Zudem werden über eine historische Darstellung hinaus, die ideologische und selektive Aufgabe von Schule sowie der Mythos Autorität ins Visier genommen, um schließlich eine eigenständige Theoretisierung des grundsätzlichen Dilemmas anbieten zu können.

Heiko Larsen, als Schüler und als Referendar an Schule gescheitert, kümmert sich derzeit um die Libertäre Bibliothek in der Schwarzen Katze (Hamburg).

 

Antje Schrupp: Anarchistische Perspektiven auf heutige Feminismen

Feminismus ist seit einiger Zeit wieder ein viel diskutiertes Thema in Deutschland, es gibt neue Akteur*innen, Positionen und Theorien. Wie ist diese Entwicklung aus anarchistischer Perspektive einzuschätzen? Feminismus und Anarchismus können Hand in Hand gehen – sie müssen es aber nicht. Antje Schrupp stellt die gegenwärtigen feministischen Bewegungen aus einer anarchistischen Perspektive vor.

Dr. Antje Schrupp, Politikwissenschaftlerin und Journalistin, Frankfurt am Main.

 


Workshops & Gesprächskreis

 

Feminismus und Anarchismus – Im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis

Feminismus ist heute etabliert als Geschlechterforschung an Universitäten, als Gleichstellungsbüros in Kommunen oder im Netz als feministische Blogs. Gleichzeitig ist der Feminismus bedroht wie eh und je, durch die vermeintliche Überholtheit, durch Anti-Feminist*innen und durch den Rechtsruck in der Gesellschaft. Da stellt sich die Frage, welche Stellung hat Feminismus in der heutigen anarchistischen Bewegung? Ist die Kritik an den Geschlechterverhältnissen dort nur ein Nebenwiderspruch? Denn viel hört man nicht von Feminismus in der anarchistischen Praxis, alle bekennen sich natürlich zum Antisexismus, aber was wird theoretisch diskutiert und was wird in die Praxis eingebracht? Welche Rolle spielt feministische Theorie in der anarchistischen Bewegung? Welche Potentiale hat feministische Kritik für die Reflexion von Herrschaftsverhältnissen? Wir wollen diesen Fragen auf den Grund gehen und diskutieren was eigentlich Anarchafeminismus ist und wie anarchistischer Feminismus aussehen kann.

Veranstaltet von Claudia und Marco (FAU)

 

(Anti-)Politik als Politikverständnis in den Anarchismen? Auf der Suche nach Beschreibungsmöglichkeiten für eine paradoxe Vielfalt“

Anarchistisches politisches Denken bewegt sich in Spannungsfeldern und Paradoxien. Gemeinhin wird gesagt, dass der gemeinsame Nenner widersprüchlicher Strömungen im Anarchismus darin besteht, dass sie den Staat ablehnen oder gar zerstören wollen und die Befreiung der Individuen anstreben. Beides ist jedoch keine inhaltliche Bestimmung dessen, was anarchistisches politisches Denken auszeichnet.

Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist, dass sich dieses jedoch auf einen Begriff bringen lässt. Dies bedeutet nicht, alle anarchistischen Strömungen zu versöhnen, zu vereinheitlichen oder für inhaltlich beliebig zu erklären, sondern sie in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen zu denken. Denn selbstverständlich besteht eine enorme Spannung zwischen Individualismus und Kommunismus, Anarchopazifismus und Insurrektionalismus, religiösen Anarchismen und Atheismus, Primitivismus und Technikaffinität, einem Verständnis von Staat als Institution oder als gesellschaftliches Verhältnis.

Einführend erläutere ich, was ich unter dem Arbeitsbegriff „(Anti-)Politik“ verstehe, wie ich diesen mit postanarchistischen Theorien herleite und worin mein theoretisches Projekt besteht. Darüber möchte ich mit euch ins Gespräch kommen, eure Kritik daran hören und in kleineren Gruppen Beispiele finden, um die Tauglichkeit meines Konzeptes zu überprüfen. Herzlich eingeladen sind alle, die sich für die Erneuerung anarchistischer Theoriebildung interessieren.

Veranstaltet von Jonathan Eibisch

 

Gustav Landauer. Antipolitik und politische Philosophie
Eine Einführung anhand ausgewählter Texte

Gustav Landauer wird gegenwärtig neu entdeckt, seine Schriften und der umfangreiche Briefwechsel neu herausgegeben und erschlossen. Vom akademischen Betrieb bis zum „Unsichtbaren Komitee“ reicht die Spanne derer, die sich auf ihn beziehen. Dabei sind die Zugänge zu diesem Werk äußerst vielfältig, seine Interpretation entsprechend umstritten. In späteren Lebensjahren selber sie zu beeinflussen, war Landauer verwehrt; 1919 wurde er brutal ermordet.

Bereits Zeitgenossen haben Landauer oftmals als seltsam randständige Gestalt der anarchistischen Bewegung wahrgenommen. Der Anarchismus, den er vertrete, sei als solcher im Grunde falsch bezeichnet, monierte der Freund Constantin Brunner. Der promovierte Jurist und Privatdozent Paul Eltzbacher, der 1900 eine frühe Einführung in Klassiker und Ideenwelt des Anarchismus veröffentlichte, fragte Landauer, ob er „sich denn selbst für einen Anarchisten [halte] – in dem Sinne, in dem es die anerkannten Anarchisten sind?“ Die einstmalige Randständigkeit und innere Unabhängigkeit von solcher Anerkennung sind es nicht zuletzt, die Landauer heute näher ins Zentrum des Interesses rücken lassen. Mag auch sein Stil altmodisch anmuten, so ist doch sein anarchistischer Sozialismus im Kern zugleich äußerst aktualisierbar und modern.

In diesem Kurzseminar soll in die politische Antipolitik Landauers eingeführt werden. Dabei steht die Diskussion möglichst aller Teilnehmer*innen im Vordergrund, weshalb [unten] ein Reader mit Auszügen aus zentralen Schriften bereitgestellt wird. Wir wollen gemeinsam versuchen, anhand der Textauszüge zu den theoretischen Voraussetzungen seines Schreibens und seiner organisatorischen Arbeit vorzudringen, um dieses Werk derart von innen heraus zu verstehen. Denn Landauer war einer der wenigen deutschsprachigen Anarchist*innen seiner Zeit, die literarisch und philosophisch hoch gebildet waren. Zugleich war er jedoch kein Wortfetischist und richtete sich auch nicht primär an Philosoph*innen, sondern immer an alle, die zu erreichen ihm möglich war, weshalb die innere Kohärenz seinem Werk oberflächlich nicht leicht abzumerken ist.

Stichworte sind u. a.: Repräsentationskritik, Kommunalismus und radikaler Föderalismus; Macht, gegenseitige Hilfe und freie Assoziation; Rolle der Einbildungskraft resp. Ideologie, gemeinsamer Geist und konstituierende Dynamik; Bewegungslehre und Reproduktion; Freude und Zusammenarbeit; Beginnen und Verwirklichung; Amoralismus, Egoismus und „Idealismus“; Primat des Aufbaus und der Affirmation.

Hier klicken für den Workshop-Reader.

Die Veranstaltung wird angeboten von der Gustav Landauer Denkmalinitiative (Berlin).

Webseite: https://gustav-landauer.org

 

Wissenschaftliche Mainstreams überwinden

Anarchistisches Denken bedeutet derzeit Denken abseits gängiger Mainstreams. Viele der anerkannten Forschungsprogramme widersprechen anarchistischen Ansätzen nicht nur inhaltlich, sondern auch prinzipiell in ihrer herrschaftlichen Eigenschaft innerhalb wissenschaftlicher Diskussionen. Letztere wird noch verstärkt durch die strukturelle Benachteiligung alternativer Forschungsprogramme etwa in der Vergabe von Forschungsgeldern und Posten. Wie aber können wir mit Mainstreams umgehen, wenn wir nicht in der Nische verharren wollen? Wie können wir vorhandenes Wissen nutzen, ohne gängige Interpretationen zu wiederholen oder bloße Antihaltungen vorzutragen?

Meine eigenen Ideen zu diesen Fragen sind aus der kritischen Auseinandersetzung mit modernisierungstheoretischen Ansätzen entstanden, das Problem scheint mir aber disziplinübergreifend vorhanden und diskutierenswert. Der Gesprächskreis soll einen Rahmen geben zum Gedankenaustausch und vielleicht zur Entwicklung methodischer Ansätze für herrschaftsfreies Denken und Forschen.

Vorbereitet von Nina Krienke