Programm 2019

Donnerstag, 31. Oktober

ab 14:00 gemeinsamer Aufbau

18:00 Begrüßung 

19:00 Podium zu „Technologie und Herrschaftskritik“ mit

Capulcu Kollektiv (https://capulcu.blackblogs.org/-
Anti Google Initiative aus Berlin (http://googlecampusverhindern.blogsport.de/)
Hackx

ab 21:00 gemeinsamer Ausklang im Café Knallhart

 

Freitag, 01. November

10:00 – „Herrschaftsfreie Institutionen. Texte zur Stabilisierung staatsloser, egalitärer Gesellschaften“ – Rüdiger Haude und Thomas Wagner

13:00 Workshops I

  • „Mujeres Libres – Libertäre Kämpferinnen“ – Vera Bianchi
  • „Forschen – trotz, gegen und frei von Herrschaft“ – Nina Krienke und Attila Dézsi

13:30 Kommentierter Rundgang zur Gustav-Landauer-Ausstellung

16:00 Workshops II

  • „Global May Day“ – Einführung in die Arbeitsweise einer transnationalen Initiative zur praktischen Solidarität – John Saecker
  • „Die Bakuninhütte – Einzigartiger Ort der anarcho-syndikalistischen Bewegung damals – und heute?“ – Anna Regener und Hölzi

16:30 Kommentierter Rundgang zur Gustav-Landauer-Ausstellung

19:00 – „Ja! Anarchismus“. Vortrag und Diskussion mit – Bernd Drücke, Hanna Mittelstädt und Vera Bianchi

21:00 – Kneipe mit der Anarchistischen Initiative in der Jupibar im Gängeviertel

http://anarchistischeinitiative.blogsport.eu/
https://das-gaengeviertel.info/

 

Samstag, 02. November

10:00 „Hedos mit geballter Faust“ – Liska Pauli

13:00 Workshops III

  • „3 Thesen für eine Neuformulierung des Anarchismus“ – Martin Loeffelholz
  • „ Einführung in den Anarcha-Feminismus“ – about:fem (Köln)
  • Musik und Anarchistisches – Gerhard Hanloser
  • Kommentierter Rundgang zur Gustav-Landauer-Ausstellung- Landauer-Initiative (Berlin)

16:00 Workshops IV

  • „Anarchistisch älter werden – (Wie) Geht das?“ – Gerald Grüneklee
  • FLINT*s/ TBA
  • „Radikale Bildungskurse: Anarchistische Bildung selbst machen“ – Schwarze Ruhr Uni Bochum
  • „Geschlecht in Rechten Medien“ – Infotisch Dortmund

19:00  „Wer nicht zu kämpfen und zu siegen versteht, wird an die Wand gedrückt.“ Zur Betriebsarbeit der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft, die Freie Arbeiter-Union Deutschlands, von 1919 bis 1933 – Jule Ehms

21:00 Konzert/Party im Café Knallhart mit

Babsi Tollwut (Berlin) https://www.facebook.com/frautollwut/
Spezial-K (Berlin) https://www.facebook.com/spezialk666
Fe*Male Treasure (Hamburg) https://www.facebook.com/fe.male.treasure.kollektiv/

Aftershow: Neonaeon https://soundcloud.com/neonaeon

 

Sonntag, 03. November

 10:30 Die Münchener Räterepublik von 1919 und ihr später berühmtester Teilnehmer Ret Marut > B. Traven – Ralf G. Landmesser

13:30 Abschlussplenum

16:00 gemeinsames Aufräumen

 

 


Podium

Capulcu Kollektiv/ Anti Google Initiative/ Hackx: „Technologie und Herrschaftskritik“

Solarpunk, fully automated luxury space communism, Primitivismus: die Standpunkte und zum Umgang mit Technologie, womit meist nicht Technik an sich sondern explizit die Digitalisierung der letzten 50 Jahre gemeint ist, könnten innerhalb der antiautoritären Linken unterschiedlicher nicht sein. Das Podium bringt kritische Stimmen unterschiedlicher Gruppen zusammen, die sich in ihrer politischen Alltagspraxis konkret mit der Macht und den (falschen?) Versprechen des Programmierten auseinandersetzen. Gemeinsam wird sich auf die Suche gegeben danach, was Technologie für den Anarchismus bedeuten und wie sie genutzt werden kann – ohne dabei blind ihre Gefahren zu übersehen. Wir reden von der Macht der Algorithmen, die eine ganz andere Rigidität nach sich zieht als die Macht des Gesetzes, über die Frage nach Überwachung und Cybersecurity und die Chance, ein neues Level der dezentralen Selbstorganisation zu erreichen.

Vorträge

Rüdiger Haude und Thomas Wagner: „Herrschaftsfreie Institutionen. Texte zur Stabilisierung staatsloser, egalitärer Gesellschaften“

Sind stabile herrschaftsfreie Gesellschaften denkbar? Haben staatslose Gesellschaften Jahrzehnte und länger überdauert und existieren sie noch immer? In den Sozialwissenschaften herrscht die Tendenz vor, »Regulierten Anarchien« entweder keinen politischen Stellenwert beizumessen oder ihnen doch eine verborgene Herrschaftlichkeit zu unterstellen. Mit beiden (ethnologischen bzw. historischen) Argumenten läßt sich die angebliche Unmöglichkeit von Herrschaftsabbau heute behaupten. Die Beiträge dieses hier in zweiter, durchgesehener Auflage vorliegenden Bandes setzen sich kritisch mit dieser Auffassung auseinander und zeigen an Beispielen wie Verwandtschaftsstruktur, Architektur und Spiel sowie dem altisraelitischen Glaubenssystem: Gerade »primitive« Gesellschaften besaßen eine erstaunliche institutionelle Phantasie, um Herrschaftsfreiheit und egalitäre Verhältnisse dauerhaft sicherzustellen.

Die beiden Verfasser Rüdiger Haude und Thomas Wagner sind Kulturwissenschaftler. »Die Aufsätze von Haude und Wagner sind ein bedeutender Beitrag zur Weiterentwicklung der vorliegenden Anarchie-Theorien« (aus dem Vorwort von Christian Sigrist).

 

Bernd Drücke, Hanna Mittelstädt und Vera Bianchi: „Ja! Anarchismus“

Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert (Unrast Verlag, November 2018) – Anarchismus ist nichts Vergangenes. Auch heute versuchen Anarchist*innen vieler Länder ihre Utopie von einem Leben ohne Chefs und Staat zu verwirklichen. Was bedeutet für sie Anarchie? Wovon träumen sie? Welche Perspektiven sehen sie? Das sind Fragen, auf die sich in diesem Buch und bei der Lesung einige Antworten finden lassen.
Infos zum Buch: _https://unrast-verlag.de/neuerscheinungen/ja-anarchismus-detail_
Hanna Mittelstädt ist Autorin und Mitbegründerin der „Edition Nautilus in Hamburg“. Bernd Drücke ist Soziologe und Redakteur der Monatszeitung „Graswurzelrevolution“.

 

Liska Pauli: „Hedos mit geballter Faust“

Von der Dezentrierung des Subjekts, Praktiken der Flucht und temporären Allianzen. Was der Anarchismus aus einer kritischen Kunsttheorie mitnehmen kann.

 

Jule Ehms: „Wer nicht zu kämpfen und zu siegen versteht, wird an die Wand gedrückt.“ Zur Betriebsarbeit der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft, die Freie Arbeiter-Union Deutschlands, von 1919 bis 1933

Kurz nach Ende des ersten Weltkrieges gründete sich mit der FAUD ein anarcho-syndikalistischer Gewerkschaftsverband, der sich durch einen basisdemokratischen und klassenkämpferischen Ansatz auszeichnete. In meinem Vortrag widme ich mich der Frage, wie die SyndikalistInnen der Weimarer Republik diesen Ansatz in den Betrieben umzusetzen versuchten. Ich gehe anhand einiger Beispiele von Arbeitskämpfen vor allem auf die Streiktaktik und die Streikpraxis der FAUD ein.

Die Referentin schreibt seit 2015 am Institut für Soziale Bewegungen an ihrer Doktorarbeit zu syndikalistischer Betriebsarbeit während der Weimarer Republik. Bis 2018 war sie Mitglied im Promotionskolleg der Rosa Luxemburg Stiftung „Geschichte linker Politik in Deutschland jenseits von Sozialdemokratie und Parteikommunismus“. Sie arbeitet und lebt in Leipzig.

Ralf G. Landmesser: Die Münchener Räterepublik von 1919 und ihr später berühmtester Teilnehmer: Ret Marut > B. TRAVEN
Vor 100 Jahren kamen in der Münchener Räterepublik einige bemerkenswerte Persönlichkeiten zusammen, darunter Ernst Toller, Erich Mühsam, sein Freund und Lehrer Gustav Landauer. Und der oft unerwähnt bleibende Ret Marut, auch dieser nicht unbeeinflusst von Landauer und wie dieser von Max Stirner geprägt. Ret Marut gab seit 1917 (mitten im Krieg) die freche anarchistische Zeitschrift Der Ziegelbrenner heraus, die bis 1921 existieren sollte. Als Beauftragter für das Pressewesen und dessen Sozialisierung, sowie Vorsitzender des Auschusses für ein „Revolutionstribunal“, also die Gerichtsbarkeit, wurde er nach der äusserst blutigen Niederschlagung der Räterepublik, die mit dem Beginn des Naziterrors einherging, steckbrieflich gesucht. Versteckt u.a. in Berlin und Köln, kam Ret Marut ab 1925 als Starautor der neugegründeten Büchergilde Gutenberg unter dem Namen B. TRAVEN zu Weltruhm – als einziger seiner auch nicht eben unbekannten Münchener Genoss*inn*en. Über seine Rolle im Drama der Münchener Räterepublik(en) ist wenig bekannt, aber in seinen Romanen ergreift BT kompromisslos die Partei der Unterdrückten und Ausgebeuteten. „Das Totenschiff“ und „Der Schatz der Sierra Madre“ sind seine bekanntesten Werke, die fast alle in Mexiko spielen, wo er ab 1924 lebte und die fast alle verfilmt wurden. Der Referent wird BT’s Beziehung zu seinen anarchistischen Freunden in einem Abriss über die Räterepublik und deren Zeit darstellen und dann auf die Standpunkt beziehende Literatur des Autors eingehen (natürlich mit Lesebeispielen). Erich Mühsam erkannte frühzeitig, dass BT identisch mit Ret Marut sei, hielt aber Stillschweigen. BT, der „als größtes literarisches Rätsel des 20. Jahrhunderts“ galt, starb vor 50 Jahren, am 26. März 1969 – seine Asche wurde über Chiapas verstreut, wo Zapatistas auch heute noch seine Bücher lesen.
Ralf G. Landmesser studierte in München und Berlin Publizistik, Politik und Soziologie und arbeitete in vielen Berufsfeldern. Von 1983 bis 2000 war er Herausgeber des „Schwarzroter KALENDA“ (Taschenkalender). Seit Mitte der 1970er organisiert er Kulturevents, ist Mitglied im VS und BBK und Mitgründer verschiedener kulturpolitischer und basisbewegter Vereine und Projekte. Langjähriger Antiatom-Aktivist, Häuserbewegung, Antimilitarist & Antifaschist und seit Jahrzehnten Referent und Organisator politischer und literarischer Vorträge. Seit 1987 Mitglied des A-Laden-Kollektivs Berlin. Seit 2017 Vorsitzender der „Internationale B. Traven Gesellschaft“ (IBTG).

Workshops

Vera Bianchi: „Mujeres Libres – Libertäre Kämpferinnen“

Während des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) wurden Frauen im republikanischen Gebiet in der anarchistischen Frauengruppe „Mujeres Libres“ (Freie Frauen) aktiv – sie bildeten sich selbst und andere, nahmen Fahrstunden, gründeten Kollektive, schrieben Artikel und publizierten eine Zeitschrift und kämpften an der Front. Einige Aktivistinnen veröffentlichten 1999 einen Sammelband, der sowohl Texte aus dem Spanischen Bürgerkrieg als auch spätere Erinnerungen von Mujeres Libres-Mitgliedern enthält. Wir lesen gemeinsam einen Text aus dem Buch und diskutieren über die anarchistische Praxis der Mujeres Libres, über Anarchismus und Feminismus und deren Verbindung oder Verhältnis zueinander damals und heute.

Die Referentin ist Historikerin und promoviert über die Mujeres Libres im Spanischen Bürgerkrieg und den Syndikalistischen Frauenbund in der Weimarer Republik und hat im Mai bei edition AV das Buch „Mujeres Libres – Libertäre Kämpferinnen“ herausgegeben, das sie mit Renée Steenbock übersetzt hat. Mehr dazu unter https://www.facebook.com/MujeresLibres1936/

 

Nina Krienke und Attila Dézsi: „Forschen – trotz, gegen und frei von Herrschaft“

Auch Anarchist*innen wollen die Welt verstehen lernen, sie beschreiben und erklären, Antworten finden auf die großen und kleinen Fragen des Lebens – und das vielleicht nicht nur als Hobby nebenbei, sondern als Hauptbeschäftigung! Das Arbeitsfeld der Wissenschaft ist dabei nicht nur mit Blick auf die individuellen Arbeitsbedingungen – finanzielle Zwänge, Arbeitshierarchien an den Universitäten usw. – von Machtverhältnissen und Herrschaftsstrukturen geprägt. Häufig sind ebenso die Theorien, Methoden und Arbeitsweisen verschiedener Forschungsdisziplinen selbst von gesellschaftlich etablierten und in der „westlichen“ Wissenschaftsgeschichte tradierten Herrschaftsmustern durchdrungen. Zum Glück sind wir nicht allein! Kritische Theorie(n), interpretative und community-Methoden und selbstorganisatorische weitergedacht, umgesetzt und mit Leben gefüllt werden. Wie mensch sich herrschaftskritisch reflektiert und konstruktiv im Wissenschaftsbetrieb und gegen theoretische und methodische Mainstreams behaupten kann, und wie wir unsere eigene wissenschaftliche Arbeit herrschaftsfrei gestalten können, soll in diesem Workshop diskutiert werden.

Nina Krienke schreibt ihre Doktorarbeit über die aktuellen Proteste in Rumänien an der Forschungsstelle Osteuropa in Bremen. Sie ist außerdem in verschiedenen anarchistischen Gruppen aktiv, zuletzt in Hamburg und Trier.

Attila Dézsi, derzeit Zahnrad im Wissenschaftsbetrieb, auf der Suche nach einer kritischen Archäologie der Gegenwart und einer besseren Zukunft für Alle.

 

John Saecker: „Global May Day“ – Einführung in die Arbeitsweise einer transnationalen Initiative zur praktischen Solidarität

Vorgestellt wird ein ein transnationales Bündnis, das zum 1. Mai 2019 aus 21 Gruppen bestand. Es kam dabei zur Bildung von sogenannten Solidarity Partnerships, z.B. kooperierte die FAU Hamburg mit der FLBP (einer Gewerkschaft) in Jakarta und unterstütze diese bei einem gewerkschaftlichen Kampf um Entschädigungen von Arbeiter*Innen. Die Vorgeschichte dieses Projektes, die Ereignisse 2019 und zukünftige Perspektiven werden im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt und diskutiert.

Anna Regener und Hölzi: „Die Bakuninhütte – Einzigartiger Ort der anarcho-syndikalistischen Bewegung damals – und heute?“

Die „Bakuninhütte“, eine Wander- und Schutzhütte nahe dem südthüringischen Meiningen, wurde von Anarcho-Syndikalist*innen in den 1920ern errichtet und bis zur Enteignung der Nazis auf vielfältige Weise genutzt. Seit 2015 ist die Hütte das bisher einzige Kulturdenkmal der anarchistischen Bewegung in Deutschland. Anfang der 1990er Jahre wurde das Areal wiederentdeckt, das Gebäude renoviert und die Hüttengeschichte durch Aktivist*innen aufgearbeitet. Die Hütte ist heute eingebunden in Vereinsstrukturen, verschiedene politische Bewegungen und lokale (Erinnerungs)politiken.
In der offenen Projektwoche „DenkMal über Anarchismus nach“ im September 2019 hat sich die AG Geschichte der Bakuninhütte als politisch wie auch geschichtlich interessierte Gruppe zusammengefunden, um über die Fragen der weiteren Erforschung und Nutzung der Hütte nachzudenken. Hier stellen wir euch vor allem die Perspektiven und möglichen Fragestellungen aus Geographie und Archäologie dar.

In der Etablierung der Hütte zu einem Kulturdenkmal und der Einbindung der institutionalisierten Wissenschaft liegt eine einzigartige Chance, die jedoch auch gewisse kritische Reflexionen und methodische Überlegungen voraussetzt. Im gemeinsamen Workshop wollen wir mit euch hierzu Erfahrungen austauschen und Ideen sammeln, wie mit diesem Ort umgegangen werden kann und auch wie dieser für die aktuelle anarchistische Bewegung hilfreich sein kann.

Anna Regener, aus der Historischen Geographie in Bamberg, und Hölzi, studierte Archäologie in Berlin, sind Teil der AG Geschichte der Bakuninhütte. Beide waren an der Projektwoche beteiligt und wollen euch nun Hütte wie auch die bisher geplanten Forschungsideen vorstellen.

 

Martin Loeffelholz: „ 3 Thesen für eine Neuformulierung des Anarchismus“

Der Workshop möchte anhand von drei Thesen für ein neues anarchistisches Selbstverständnis plädieren. Die erste These besagt, dassexterneStrömungen und Denker*innen kontinuierlich anarchistische Denkfiguren adaptieren, diese aber mit anderer Bezeichnung, Begriffen und Argumenten versehen (Situationismus,Wertkritik, John Holloway etc): ein Phänomen, dass als „Impliziter Anarchismus“ verstanden werden kann. Die zweite These versucht sich an der provokativen Behauptung,dass der kategorische Antietatismus als dogmatisches Prinzip zumindest relativiertwerden muss: bleibt das Ziel zwar die staaten-und klassenlose Gesellschaft, so kann staatliche Politikin besonderen(!) SituationeneinMittel gesellschaftlicher Transformation darstellen.Diese Situationen wird der Vortraganhand verschiedener Beispiele kritisch beleuchten. Wenn der Anarchismus aber nun einer permanenten Fremdaneignung unterliegt (These 1), und seinkategorischer Antietatismusin Frage zu stellen ist (These 2), dann verliert der Anarchismus seine Identität und die Unterschiede zum Marxismus verschwimmen zusehends. Der Vortrag plädiert daher dafür, die Stärken des Anarchismus herauszuarbeiten und ihm einneues Selbstverständnis zu verschaffen (These 3).

Der Referent studiert Humangeographie und Politikwissenschaft, ist dort in lokalen Zusammenhängenaktivund vertritt selbst ein „pluralistisches Theorieverständnis“.

 

about:fem: „Einführung in den Anarcha-Feminismus“

Ist der Anarchismus von sich aus eine feministische Strömung? Welche Kritik gibt es an der (weißen und bürgerlichen) feministischen Geschichtsschreibung aus libertärer Perspektive? Wie hat sich Anarcha-Feminismus entwickelt und welche Gruppen und Personen waren dabei prägend? Was bedeutet das alles für anarchistische und
feministische Bewegungen heute? Zu diesen Fragen wird es einen Input von etwa 45min geben um danach gemeinsam zu diskutieren.

 

Gerhard Hanloser: Musik und Anarchistisches

Nicht allein das Flugblatt oder das theoretische Buch bewegte den libertären Geist, das freiheitliche Herz und den widerständischen Körper. Seit es anarchistische Regungen und Bewegungen gibt, werden diese von Tönen der Rebellion begleitet. In dem Workshop wollen wir uns über anarchistische Musik austauschen, wobei wir auf Texte und Musikgestaltung reflektieren wollen.

Gerhard Hanloser schrieb zuletzt: „Lektüre und Revolte. Der Textfundus der 68er-Fundamentalopposition“, war Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre Redakteur der anarchistischen Sendung „Der Schwarze Funke“ bei Radio Dreyeckland Freiburg

 

Gerald Grüneklee: „Anarchistisch älter werden – (Wie) Geht das?“

Das Anarchismus grundsätzlich eine generationsübergreifende Idee ist, steht ausser Frage. Trotzdem ist die anarchistische Szene im deutschsprachigem Raum vor allem als jugendorientierte (Sub-)Kultur

wahrnehmbar. So hat sich z.B. die große Mehrheit der in den 80er Jahren aktiven, anarchistisch bewegten Menschen zurückgezogen und tritt zumindest öffentlich nicht mehr unter „anarchistischen Vorzeichen“ in Erscheinung. Warum dies – sofern dieser Befund nicht täuscht – so ist, könnte Forschungsgegenstand soziologischer und politikwissenschaftlicher Studien sein. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung kann in dieser Veranstaltung nicht geleistet werden. Vielmehr gibt es mehr Fragen als Antworten darauf, warum Anarchismus zumindest derzeit offenbar kein intergenerationelles Projekt ist – und vor allem: wie dies zu ändern wäre. Die Veranstaltung will insofern den Anstoß geben für überfällige Debatten über tragfähige, „nachhaltige“ Strukturen und die „Zukunftsfähigkeit“ des Anarchismus.

Der Referent ist, irgendwo in den Fünfzigern, bezüglich der politische Sozialisation ein Kind der 80er Jahre; Anarchist, Buchhändler, Jobber, Kollektivkoch, Publizist, Sozialpädagoge, Student und noch so einiges mehr.

 

Schwarze Ruhr Uni Bochum: „Radikale Bildungskurse: Anarchistische Bildung selbst machen“

Eines der größten Probleme beim Aufbau einer revolutionären Anarchistischen Bewegung ist das Fehlen der Fähigkeiten, die wir benötigen um eine andere Welt zu schaffen. Auch viele Antiautoritäre überlassen Bildung staatlich-kapitalistischen Institutionen wie der Schule und Universität. Das hat fatale Folgen: Einerseits werden die Dogmen, welche Staat&Kapitalismus zum überleben brauchen, selbst in unserer Bewegung weiterverbreitet, anderseits wird uns alles, was hilfreich für ein selbstbestimmtes Leben ist, abtrainiert. Wenn es dann doch anarchistische Bildungsangebote gibt, beschränken sich diese oft auf Vorträge und gelegentliche Workshops. Selten entstehen so Räume gemeinschaftlichen, längerfristigen Lernens, in denen Theorie und Praxis nicht getrennt sind und auch umgesetzt wird, was vorher geplant wurde. Um daran etwas zu ändern, organisiert die Schwarze Ruhr-Uni daher seit über zwei Jahren Radikale Bildungskurse. Die Bildungskurs sollen diese und andere Problem angehen. Themen der Kurse waren u.a. Selbstorganisierte Nahrungsmittelversorgung, Anarchistische Geschichte, Beziehungsanarchie, das Vorstellen einer Herrschaftsfreien Gesellschaft und das Planen des Weges dahin. Mehr zu den Kursen findet es sich auf: schwarzerub.blackblogs.org/radikale-bildungskurse
Im Workshop wird am Anfang kurz über das Konzept und die Erfahrungen der Kurse berichtet. Anschließend wird vorgestellt wie mensch selbst Kurse organisieren kann. Dabei gibt es kurze teils spielerische Übungen mit Methoden aus den Bildungskursen.

 

Infotisch Dortmund: „Geschlecht in Rechten Medien“

Zunächst wollen wir uns einen Überblick über die Darstellung von Geschlecht in aktuellen rechten Medien verschaffen. Hierbei werden Auszüge aus verschiedensten rechten Onlineauftritten und Printmedien beleuchtet. Das Ziel der Veranstaltung ist es, gemeinsam anarchafeministische Antworten auf die erarbeiteten Phänomene zu finden und Handlungsperspektiven zu eröffnen.

 

Landauer-Ausstellung

„Die Anarchie ist das Leben der Menschen, die dem Joche entronnen sind.“ – Gustav Landauer (1870-1919)

Auf 24 Tafeln wird über Leben und Werk des anarchistischen Sozialisten Gustav Landauer (1870-1919) informiert.

Gustav Landauer (1870-1919) war eine herausragende Gestalt der frühen libertären Bewegung in Deutschland. Er war ein überaus produktiver und hoch angesehener Literatur- und Theaterkritiker, Kulturphilosoph, Dramaturg, Essayist, Übersetzer, Roman- und Novellenautor, Vortragsredner, freiheitlicher Sozialist, Antipolitiker und Publizist. Am 2. Mai 1919 wurde Landauer bei seiner Einlieferung in das Gefängnis Stadelheim (München) durch eine Soldateska brutal misshandelt und ermordet. Ein gutes Jahrzehnt blieb dem Freund Martin Buber bis zum Machtantritt der Nazis, um wichtige Schriften Landauers herauszugeben und derart die Grundlage für eine längerfristige, doch stets eher untergründige Nachwirkung zu verbreitern. Den Jahren der Verfemung durch die Nazis folgten Jahrzehnte eines weitgehenden Verschweigens und Vergessens sowohl in der postnazistischen BRD als auch in der parteioffiziellen Geschichtsschreibung der DDR. Ein selbsterklärter Anarchist aus jüdischer Familie war in keinem der beiden deutschen Staaten wohlgelitten. Erst ganz allmählich, befördert zunächst durch Nachdrucke in kleineren oft anarchistischen Verlagen und insbesondere seit dem Ende der Blockkonfrontation – in der jede differenzierte Bewertung historischer Sozialismen tendenziell aufgerieben wurde – durch zahlreiche verdienstvolle Studien, begann die hervorragende Bedeutung Gustav Landauers immer deutlicher zu werden und ist heute unabweisbar. Seit Jahren erfreut sich sein Werk eines stetig zunehmenden Interesses.

Die Ausstellung ist ein Projekt der Gustav Landauer Denkmalinitiative.

https://gustav-landauer.org/